Verleihung der Verdienstmedaille des Landkreises an Katharina Stang

Am 24.09.2026 wurde Katharina Stang für ihr 20-jähriges ehrenamtliches Engagement die Verdienstmedaille des Landratkreises Ludwigsburg verliehen.

Foto 1–3: Landratsamt Ludwigsburg
Foto 4: Himbeerrot GmbH

Laudatio

Laudatio des Ersten Landesbeamten Jürgen Vogt zur Übergabe der Verdienstmedaille des Landkreises an Frau Katharina Stang am 25.09.26 im Kreishaus Ludwigsburg

„Ehrenamt ist keine Arbeit, die man tut, weil man muss. Es ist eine Arbeit, die man tut, weil man kann – und weil einem die Menschen am Herzen liegen.“
(Laotse, chinesischer Philosoph, der im 6. Jahrhundert vor Christus gelebt haben soll)

Sehr geehrte Frau Stang,
sehr geehrte Fraktionsvorsitzende,
liebe Mitglieder des Netzwerks Gesundheit und Selbsthilfe,
liebe Freunde, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Frau Stang heute eine ganz besondere Auszeichnung überreichen zu dürfen: die Verdienstmedaille des Landkreises Ludwigsburg – unsere höchste Auszeichnung.

Mit dieser Ehrung würdigen wir mehr als 25 Jahre außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement für Menschen mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, insbesondere für Menschen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs – im Landkreis Ludwigsburg und weit darüber hinaus.

Liebe Frau Stang, Sie haben sich diese Auszeichnung in ganz besonderer Weise verdient.

Ihr Weg in die Selbsthilfe begann 1999. Sie waren selbst betroffen und kannten deshalb nicht nur die medizinischen Herausforderungen, sondern auch die Ängste, die Unsicherheit und die vielen Fragen, die eine solche Diagnose mit sich bringt. Sie wollten Antworten finden – und diese Antworten anderen Menschen nicht vorenthalten.

Als Sie sich dem Arbeitskreis der Pankreatektomierten (ADP) e. V. anschlossen, begann Ihr beeindruckender Weg in der Selbsthilfe. Schon bald gründeten Sie in Ludwigsburg eine kleine Selbsthilfegruppe – die erste dieser Art in Deutschland. Aus fünf Betroffenen und zwei Angehörigen beim ersten Treffen entwickelte sich eine Aufgabe, die Sie über Jahrzehnte begleiten sollte. Sie engagierten sich im Vorstand des ADP und als Vorsitzende des Onkologischen Ausschusses.

Doch Ihr Wunsch, den Betroffenen eine eigene Anlaufstelle zu geben, wurde immer größer. Deshalb gründeten Sie im Februar 2006 den Verein „TEB e. V. Selbsthilfe für Tumore und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse“. Fast 20 Jahre lang waren Sie dessen Erste Vorsitzende und Geschäftsführerin. Sie leiteten die Bundes- und Landesgeschäftsstelle in Ludwigsburg und betreuten zehn Regionalgruppen – und das alles ehrenamtlich.

Gemeinsam mit Ihrem an Krebs erkrankten Ehemann, der im vergangenen Jahr leider verstorben ist, haben Sie den Verein aufgebaut und geprägt. Mit Durchsetzungsvermögen, Fachkenntnis und großer Empathie machten Sie ihn zu einem bundesweit und international anerkannten Netzwerk.

Der Verein wurde zu einem Ort des Austauschs, der Beratung und Begleitung. Er brachte Patientinnen und Patienten, Angehörige, Kliniken, Ehrenamtliche und medizinische Fachleute zusammen. Vor allem aber vermittelte er Menschen in einer schweren Lebenssituation eine entscheidende Botschaft: Du bist mit deiner Erkrankung nicht allein.

Das Angebot war vielfältig: persönliche Beratung und Erfahrungsaustausch, regionale Gruppentreffen und Fachvorträge, Ärzte- und Patiententage, Kochkurse und Kochbücher, Veröffentlichungen und Informationsangebote – nicht zuletzt die Benefizkonzerte der TEB Allstars. Besonders hervorzuheben ist der von Ihnen 2014 mitbegründete Welt-Pankreastag. Sie haben damit wesentlich dazu beigetragen, die Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Dabei hielten sie sich durch Kongresse und Tagungen über medizinische Entwicklungen auf dem Laufenden und gaben Ihr Wissen verständlich weiter. Doch Ihnen ging es nie nur um medizinische Informationen. Es ging immer um den Menschen. Sie haben zugehört, persönlich beraten, Menschen im Krankenhaus besucht, zu Arztterminen begleitet und Arztberichte gemeinsam besprochen. Sie haben Orientierung gegeben, wenn Menschen den Überblick verloren hatten, und Mut gemacht, wenn die Situation besonders schwierig war.

Ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 2011 beschrieb Sie treffend als „unermüdlich, kompetent und manchmal auch forsch“. Treffender kann man Ihren Einsatz kaum zusammenfassen.

Ihre eigene Haltung haben Sie einmal so beschrieben: „Ich versuche, die Menschen zu motivieren und trotz allem da das Positive herauszuziehen, denn die Erkrankung ist das eine, das Leben das andere.“

Diese Haltung erklärt viel von der Kraft, die Ihr Engagement entfalten konnte.

Denn auch nach der Auflösung des Vereins im Dezember 2025 haben Sie nicht einfach aufgehört. Weil keine Nachfolge gefunden werden konnte, haben Sie sich entschieden, weiterhin im Rahmen Ihrer Möglichkeiten für Betroffene da zu sein – auch, um den letzten Wunsch Ihres verstorbenen Mannes zu erfüllen.

Seit Januar 2026 bieten Sie weiterhin telefonische und persönliche Beratung sowie Gruppentreffen in Ludwigsburg an. Sie haben eine neue Homepage aufgebaut und stellen Ihre Erfahrung und Ihr Wissen weiterhin Menschen mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und deren Angehörigen zur Verfügung.

Das zeigt: Ehrenamt ist für Sie keine Funktion und kein Amt. Es ist eine innere Haltung.

Auch mit der 2009 gegründeten Ursula Zyschka & Katharina Stang Stiftung unterstützen Sie Menschen mit Tumorerkrankungen, insbesondere mit Bauspeicheldrüsenkrebs, die sich in einer palliativen Situation befinden und oft an die Grenzen dessen stoßen, was unser Gesundheitssystem leisten kann.

Ihr Engagement wurde vielfach gewürdigt: 2007 mit der Auszeichnung „Echt Gut! – Ehrenamt in Baden-Württemberg“, 2008 mit dem Förderpreis Selbsthilfe nach Krebs, 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz, 2014 mit der Ludwigsburg-Medaille und 2022 durch die Weltkoalition für Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Heute kommt eine weitere, ganz besondere Ehrung hinzu: die Verdienstmedaille des Landkreises.

Und es ist besonders passend, dass ich diese Auszeichnung im Rahmen der Mitgliederversammlung des Netzwerks Gesundheit und Selbsthilfe überreichen darf. Denn Ihr Verein war Teil dieses Netzwerks. Vor allem aber verbindet uns ein gemeinsamer Gedanke: Gesundheit und Selbsthilfe leben davon, dass Menschen Verantwortung füreinander übernehmen.

Liebe Frau Stang, Sie haben in mehr als 25 Jahren Pionierarbeit geleistet. Sie haben ein wichtiges Thema sichtbar gemacht, Betroffene miteinander vernetzt, Fachleute und Patienten zusammengebracht und medizinisches Wissen zugänglich gemacht.

Vor allem aber haben Sie Menschen begleitet, wenn sie Angst hatten, ratlos waren und jemanden brauchten, der zuhört. Sie haben Zeit geschenkt, Wissen geteilt, Verantwortung übernommen, Mut gemacht und Türen geöffnet – und immer wieder für andere weitergemacht, auch dann, wenn es für Sie selbst nicht leicht war.

Ihre Motivation beschreiben Sie selbst mit zwei Worten: Dankbarkeit und Demut.

Heute dürfen wir diese Worte zurückgeben. Denn die Dankbarkeit und der Respekt gebühren vor allem Ihnen.

Ihr großes persönliches Ziel ist es, noch zu erleben, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs heilbar ist. Bis dahin werden Sie, davon bin ich überzeugt, weiter dazu beitragen, dass Menschen besser informiert sind, sich weniger allein fühlen und trotz ihrer Erkrankung den Blick auf das Leben nicht verlieren.

Liebe Frau Stang, im Namen des Landkreises Ludwigsburg danke ich Ihnen von Herzen für mehr als 25 Jahre herausragendes ehrenamtliches Engagement. Für Ihren Sachverstand, Ihre Beharrlichkeit, Ihren Mut und Ihre Menschlichkeit – und vor allem für die unzähligen Menschen, denen Sie geholfen, Hoffnung gegeben und das Gefühl vermittelt haben, nicht allein zu sein.

Der Kreistag des Landkreises Ludwigsburg hat deshalb am 24. April 2026 beschlossen, Ihnen die Verdienstmedaille des Landkreises Ludwigsburg zu verleihen. Ich freue mich sehr, Ihnen diese höchste Auszeichnung unseres Landkreises heute persönlich überreichen zu dürfen.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Frau Stang, und von Herzen: Danke!

Lassen Sie mich zum Abschluss noch einmal ein Zitat, dieses Mal von der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916) aufgreifen:

„Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.“

Liebe Frau Stang, Sie haben über mehr als ein Vierteljahrhundert gezeigt, wie viel ein einzelner Mensch bewegen kann, wenn er Verantwortung übernimmt und sein Wissen, seine Zeit und sein Herz für andere einsetzt.

Sie haben nicht nur die Welt von morgen mitgestaltet. Sie haben für viele Menschen die Welt von heute ein Stück heller, menschlicher und hoffnungsvoller gemacht.

Dafür gebühren Ihnen unsere höchste Anerkennung und unser aufrichtiger Dank!

Dankesrede

Dankesrede von Katharina Stang

Liebe Gäste, liebe Mitstreiter, liebe Familie, lieber Herr Vogt,

 

vielen Dank an den Kreistag, dass ich heute die höchste Auszeichnung des Landkreises Ludwigsburg durch Sie, den ersten Landesbeamten Herrn Jürgen Vogt, entgegennehmen darf.

Neben den vielen Auszeichnungen, die ich in den letzten 20 Jahren für mein ehrenamtliches Engagement, dass ausschließlich für Menschen mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, insbesondere Krebs und deren Nachbarorgane, erhalten habe, empfinde ich diese, als eine besondere Würdigung.

Ja, ich bin bewegt, berührt und stolz und unendlich dankbar für die heutige Wertschätzung. Sie zeigt mir, dass wir Vieles richtig gemacht haben.

Als ich vor 20 Jahren, zusammen mit meinem Mann Helmut, der leider im August letzten Jahres verstorben ist, den Verein TEB e.V. Selbsthilfe gegründet habe, wussten wir Beide nicht, auf was wir uns einlassen, welche Hürden, die oftmals alles andere als leicht waren, bewältigt werden müssen.  

Wir nahmen die Herausforderung ohne Wenn und Aber an und waren überzeugt, dass wir das Ziel, Betroffenen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs Mut, Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln, erreichen werden.

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehörte damals wie heute zu einer der schlimmsten Krebsarten. Vor 20 Jahren war über diese Erkrankung wenig bekannt. Inzwischen wurden in der Forschung, in der Therapie und der Behandlung Fortschritte erzielt und damit die Krankheit aus dem Abseits geholt. Dazu hat TEB e.V. einen Beitrag geleistet.

Unzähligen Betroffenen und Angehörigen haben wir adäquate Hilfe, eine feste Anlaufstelle, genügend Zeit und immer ein offenes Ohr geschenkt. Dort, wo unser Gesundheitssystem an seine Grenzen kam, Menschen sich oftmals hilflos, alleine, nicht verstanden und angenommen fühlten, waren wir da!

Mein Mann und ich wurden Experten in unterschiedlichsten Bereichen. Zusammen waren wir ein unschlagbares Team. Doch ohne Hilfe durch die Gründungsmitglieder, die Mitglieder, die Mitarbeiter der Geschäftsstelle den Vorstand, den Wissenschaftlichen Beirat, die Ärzte, die Krankenkassen, durch die vielen Spender und viele andere wäre das nicht möglich gewesen. Viele Wegbegleiter sind heute anwesend.

An dieser Stelle herzlichen Dank an alle und in insbesondere an unseren aktuellen Schirmherrn, Herrn Steffen Bilger, der jetzige Bundesverkehrsminister, für seine jahrelange Unterstützung. Gerne wäre er heute gekommen, doch wichtige Verpflichtungen in Berlin hinderten ihn daran.

TEB e.V. Selbsthilfe und der Name Stang sind nicht nur in Ludwigsburg und in Baden-Württemberg bekannt, sondern auch bundes- und weltweit.

Ein fundiertes Wissen, jahrelange Erfahrung, ein gut funktionierendes und einzigartiges Netzwerk auf und auszubauen, Menschlichkeit, Achtung, Respekt, Umsetzungskraft und den Willen, etwas in unserer Gesellschaft zu verändern und dies nachhaltig zu erhalten, waren meine Aufgabe.

Der Part meines Mannes war genauso wichtig! Er war die „Graue Eminenz, der Mann im Hintergrund“. Bei ihm liefen alle Fäden zusammen. Seine großartige Planung und sein Organisationstalent unter anderem bei großen Events in der Musikhalle Ludwigsburg haben dafür gesorgt, dass viele Besucher aus dem In- und Ausland kamen und unsere Stadt in bester Erinnerung behielten. Ein besonderes Ereignis war die Mitgründung des jährlichen Welt-Pankreaskrebstages, der die Welt in Lila erstrahlen lässt. Ohne meinen Mann wäre TEB e.V. und auch ich, niemals so weit gekommen.

Es war jedem, insbesondere meinem Mann, bewusst, sollte seine Hilfe und Unterstützung bei TEB e.V. Selbsthilfe aus irgendeinem Grund wegbrechen, kann ich den Verein mit seinen vielfältigen Aufgaben nicht alleine stemmen und halten.

Da wir leider keinen Nachfolger gefunden haben, musste der Verein aufgelöst werden und dies geschieht schweren Herzens zum Ende des Jahres.

Da mich mein Mann am Ende seines Lebens gebeten hatte, „Unser gemeinsames Baby“ nicht aufzugeben, habe ich mich entschlossen, weiterhin Betroffene und ihre Angehörigen zu beraten, zu begleiten und ihnen unterstützend zur Seite zu stehen.  

Unsere Arbeit, das enorme Wissen, jahrelangen Erfahrungen, die vielen Nachschlagewerke, die großen Erfolge, tolle Veranstaltungen, Benefizkonzerte und die wunderbare Zusammenarbeit mit Ärzten und Kliniken und der Welt-Pankreaskrebstag darf nicht verloren gehen.

Inzwischen geht es mit TEB Selbsthilfe - Katharina Stang weiter! Nach wie vor berate und begleite ich Menschen in einer oftmals ausweglosen Situation und bin deren Fürsprecher.

Auch hier hatte mein Mann Recht behalten – die Nachfrage und der Bedarf ist nicht nur in Baden Württemberg, sondern auch bundes- und weltweit steigend.

Gerade heute in einer Zeit, in der die Welt aus den Fugen gerät, brauchen Menschen, insbesondere kranke Menschen, mehr denn je Hilfe, Unterstützung, Halt und Zuversicht.

Mein Dank geht an meinen Mann, ich wünsche mir, dass er heute von oben zuschaut. Für mich ist die Auszeichnung auch seine Auszeichnung!

Nochmals danke ich allen, die uns jahrelang ihr Vertrauen geschenkt und uns unterstützt haben.

Abschließend möchte ich mich nochmals für diese Auszeichnung herzlich bedanken, die mich sehr ehrt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.